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Domus Paper

Norbert Koop: The doctor of the future? High tech, non-invasive and elitist


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How do you see the evolution of healthcare design in 20 years’ time?

Das Gesundheitswesen befindet sich im Wandel. Im Rahmen der Digitalisierung werden immer mehr Gesundheitsdaten gebündelt und an medizinische Zentren zur Auswertung geschickt. In Zukunft werden Diagnosen und Therapien nicht mehr durch Fachkräfte (Ärzte) vorgenommen sondern durch entsprechende Computer programme. Die Therapieanweisungen werden dann direkt an den Patienten übermittelt. Die Detektierung und die Steuerung erfolgt über Implantate oder Geräte die der Patient am Körper trägt. Therapien werden auf diese Weise angepasst. In Notfällen können lebensrettende Maßnahmen aktiviert werden.

Im chirurgischen Bereich ist der aktuelle Trend, operative Eingriffe am Körper zu vermeiden bzw. auf ein Minimum zu reduzieren. Bildgebende Verfahren wie der ophthalmologische Kerathograph können schon im Vorfeld 3D Daten liefern, welche die Planung eines effizienten Eingriffs wesentlich vereinfachen. Durch den Einsatz von Robotern werden schon heute Nierentransplantationen vorgenommen, ohne dass irgendein Schnitt durch die Haut vorgenommen werden muss. In Zukunft wird es möglich sein, miniaturisierte Roboter in den Körper zu injizieren und diese dort mittels künstlicher Inteligenz autonom agieren zu lassen.

Durch die Entschlüssung der menschlichen DNA können Veränderungen an Genen vorgenommen werden, um diese dann wieder in den menschlichen Körper zu zurück zu führen. Die dafür benötigten, von uns konzeptionell und gestalterisch entwickelten High-tech Geräte wie den Mastercycler X50 für das PCR Vefahren und den Transferman, einem Mikroinjektor für dir Zellmanipulation wird es auch in der Zukunft geben.

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Will healthcare design still exist with today’s characteristics?

Aktuell arbeiten wir an einem System zur Lagerung von Organen außerhalb des menschlichen Körpers. Explantierte Organe werden in diesem System vollständig versorgt und werden damit außerhalb des menschlichen Körpers am Leben gehalten. Dadurch wird es z.B. möglich Tumore an Organen mit Medikamenten zu behandeln, die, würde man diese direkt am Patienten einsetzen, diesen unheilbar schädigen würden.

Die Bekämpfung eines Tumors wird dadurch wesentlich effizienter. Das Verfahren ist gegenüber den heutigen schonender und die Heilung erfolgt schneller. Die Entwicklung derart komplexer Systeme setzt voraus, dass der Designer sich wesentlich Intensiver und umfangreicher mit der Aufgabenstellung befassen muss. Die Berufsbilder Forscher, Entwickler, Konstrukteur und Designer verschmelzen miteinander. Der Designer wird zum absoluten Spezialisten. Durch die Automatisierung und die Digialisierung in der Medizintechnik wird in anderen Bereichen die Hardware weiter in den Hintergrund treten. In Zukunft wird die Gestaltung von User Interfaces immer wichtiger. Auch dafür werden mehr Designer benötigt, die sich darauf spezialisiert haben.

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What kind of consumer/user do you envisage in 20 years’ time?

Die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz, der Einsatz von Robotern und die Digitalisierung des Gesundheitswesens wird dazu führen, dass es den Arzt, wie wir ihn heute kennen, kaum noch geben wird. Analyse, Diagnose und die Auswahl der Therapie werden von Gesundheits-Apps vorgenommen.

Die Durchführung der Therapie oder Operationen übernehmen selbsttätig agierende Maschinen. Auch für die Wartung und Kontrolle wird man nur wenige Menschen benötigen. Die Kosten für zukünftige medizintechnische Entwicklungen werden in Zukunft weiter steigen. Für die breite Bevölkerungsschicht wird das nicht mehr finanzierbar sein. Verbraucher wird der wohlhabende Mensch.

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Which of today’s projects are picking up on ideas that were shelved years ago, and which are developing from new researches?

Ein großer Wunsch der Medizin war es immer, auf ein menschliches Ersatzteillager zurückgreifen zu können. Erste Entwicklungen, wie zum Beispiel das Kunstherz oder künstliche Gelenke, waren immer mit hohen Risiken für den Patienten verbunden. Durch neue, von der Forschung entwickelte Technologien ist es heute möglich Haut aus Zellen zu züchten, die verwendet werden kann, um großflächige Verbrennungen zu versorgen. Durch die Entwicklung von 3D Druckern ist man heutzutage in der Lage Knochenersatz aus Titan zu drucken um zum Beispiel Tumorschäden am Schädel zu reparieren. Dazu wird die intakte Seite des Schädels gescannt, um dann das spiegelbildliche Ersatzteil zu erstellen.

Durch die Digitalisierung ist es möglich das Teil so zu gestalten, dass ein Höchstmass an Festigkeit bei gleichzeitig minimalem Materialeinatz und Gewicht erzielt wird. Es ist davon auszugehen, dass man in Zukunft in der Lage sein wird, nahezu jedes Teil des menschlichen Körpers durch ein künstliches ersetzen zu können. Ob das erstrebenswert ist, steht auf einem anderen Blatt.

von Andrea Ciotti // Domus Paper April 2018

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